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Geschichte La Réunions

Museum Villèle (Saint-Gilles) koloniales Landgut mit Geschichte

Erste Zeugnisse der „Insel der Zusammenkunft“

Erste Erwähnungen der Insel La Réunion stammen aus dem 10. Jahrhundert. Arabische Seefahrer gaben der bis ins 16. Jahrhundert von Menschen wohl noch unbewohnten Insel den Namen dina maghrabin – „Westinsel“. Mauritius wurde diva harab – „verlassene Insel“ oder „Wüsteninsel“ – und Rodrigues diva mashriq – „Ostinsel“ – genannt. Auf einer europäischen Seekarte tauchen diese drei Inseln erstmals im Jahre 1503 auf, die auf einer Kopie einer arabischen Karte basierte.

Ursprung des Namens Maskareneninsel

Im Februar 1512 entdeckte schließlich als erster Europäer der portugiesische Seefahrer Pedro Mascarenhas die später nach ihm benannte Inselgruppe „Maskarenen“, zu denen neben La Réunion auch Madagaskar und die zu diesem Staat gehörende Insel Rodrigues gehört. Der Tag seiner Landung auf La Réunion war der Namenstag der heiligen Apollonia von Alexandria. Die Insel erhielt daraufhin von ihm den Namen Santa Apolonia und ist so auf den damaligen Karten der Portugiesen verzeichnet. Um 1520 herum wurden La Réunion und die benachbarten Inseln Mauritius und Rodrigues schließlich im Gedenken an ihren Entdecker Pedro Mascarenhas, begrifflich zum Archipel der Maskarenen zusammenzufassen.

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Kolonialbesiedlung: Engländer und verbannte Franzosen

Erst im Jahre 1613 folgten weitere Europäer. Der englische Freibeuter Blackwell beschreibt später eine gänzlich unberührte, paradiesische Insel mit unzähligen Wasserläufen und üppiger Flora und Fauna. Frankreich beanspruchte am 25. Juni 1638 erstmals formell die Maskarenen. Eine zweite formelle Inbesitznahme erfolgte 1642. Am 29. Juni des Jahres 1642 landeten die Franzosen bei Saint-Paul erstmals auf Réunion. Die ersten temporären Bewohner waren 12 Meuterer. Aus dem Handelsstützpunkt Fort Dauphin im Süden Madagaskars kommend wurden sie für drei Jahre auf Réunion verbannt.

Endgültige Niederlassung der Franzosen: Die Vanille-Insel

Drei Jahre später kehrten einige der Verbannten nur widerwillig der Insel den Rücken zu. Die Beschreibungen dieser Männer lenkten jedoch das Augenmerk des französischen Gouverneurs von Madagaskar, Étienne de Flacourt, auf die Insel. Er nahm die Insel zum dritten Mal in Besitz und gab ihr den Namen Île Bourbon, benannt nach dem französischen Königshaus der Bourbonen.  Im November besetzten die Franzosen schließlich die Insel und schufen mit dieser Kolonie gleichzeitig zur ersten französische Niederlassung im Indischen Ozean.

Inbesitznahme der heimischen Tierwelt

Der französische König vergab bald darauf eine Konzession zur Verwaltung der Insel an die Indien-Kompanie. Diese Konzession der sogenannte Compagnie des Indes galt von 1665 bis 1764. Zuerst wurden mit der Ausbeutung der Tiere begonnen. Schildkröten, Vögel und Wild standen ganz oben auf der Fangliste.

Militärischer Stützpunkt und Kaffeanbau

Ab dem Jahre 1700 stieg die Bedeutung der immer noch Île Bourbon genannten Insel rapide an. Ab 1718 wurde der zukünftig wirtschaftlich bedeutende Kaffee angebaut. Im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 war Réunion zudem wichtiger Stützpunkt für Versorgung und Nachschub im Kampf gegen die Briten in Indien.

Rückkauf der Insel, Gewürze als Exportschlager und Vervielfachung der Einwohnerzahl

1764 kaufte der König die Maskarenen und damit auch Réunion zurück. Die Indien-Kompanie war gescheitert. Die Insel erfährt unter ihrem König jedoch einen wirtschaftlichen Aufschwung durch den Export von Kaffee und Gewürzen, die hier fortan angebaut werden. Um 1788 leben auf der Insel bereits rund 47.195 freie Einwohner. 1704 waren es gerade einmal 734 Menschen.

Die Französische Revolution und Diktatur auf La Réunion

Am 8. April 1794 wurde die Insel im Zuge der Französischen Revolution in La Réunion umbenannt. Der Name bezieht sich auf die Vereinigung von Revolutionären aus Marseille am 10. August 1792 mit der Nationalgarde in Paris und den nachfolgenden Sturm auf die Tuilerien. Die Zeit der Französischen Revolution ist für La Réunion eine schwere Zeit.

Eine neue Verwaltung in Form einer Kolonialversammlung und Lebensmittelengpässe werden überstanden genauso wie die Abkapselung in eine Autonomie, in Folge derer im Jahre 1799 eine Diktatur errichtet wird.

Französische Herrschaft, Sklaverei und Zuckerrohr

Nach Napoleons Machtergreifung kommt die Insel 1801 wieder unter französische Kontrolle. Die zwischenzeitlich minimal eingeschränkte Sklaverei wird wieder vollständig zugelassen. 1806 benennt man sie zu Ehren Napoleons in Île Bonaparteum. Die Landwirtschaft wird aufgrund klimatischer Wetterfolgen neu ausgerichtet. Zuckerrohr wird zur bis heute dominierenden Kulturpflanze. Kaffee und Gewürznelken spielen nur noch eine zweite Rolle.

Eroberung durch die Briten

Im Jahre 1808 blockieren die Briten die Insel und unternehmen mehrere Landungen zur Eroberung der Insel. Erst 1810 sind die Briten erfolgreich. Réunion erhält wieder den alten Namen Île Bourbon. Die Besatzung der Briten ist kurz. Bereits 1815 erfolgt im Rahmen des „Vertrag von Paris“ die Rückgabe an Frankreich. Mit der Entdeckung der künstlichen Befruchtung von Vanillepfanzen eröffnet sich 1840 der Landwirtschaft mit der „Bourbon-Vanille“ ein ganz neues bedeutendes Produktionsfeld.

Rückeroberung an Franzosen, Wahlen und Einheit mit Frankreich

Mit dem Ausrufen der Republik am 9. Juni 1948 erhält die Insel ihren Namen Île de la Réunion zurück, als Symbol der Einheit der französischen Nation. Im selben Jahr wird die Abschaffung der Sklaverei proklamiert und die Sklaven sukzessive in die Gesellschaft integriert. Wirtschaftlich entwickelt man sich gut. Auch politisch tut sich einiges. So finden 1849 die ersten Wahlen mit allgemeinem Wahlrecht statt.

Ende der Kolonialzeit und französische Überseeregion

1946 wird Réunion französisches Überseedepartement. Damit wird auch die Kolonialzeit beendet. Wirtschaftlicher Fortschritt, Modernisierung und soziale Entwicklung sind positive Folgen infolge dieser Ereignisse. 1982 wird die Insel des weiteren eine französische Überseeregion.